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2. Bad Boller Reanimationsgespräche

Im Februar 2015 trafen sich 60 Experten aus verschiedenen Fach- und Interessengruppen zu den 2. Bad Boller Reanimationsgesprächen und hatten ein Ziel vor Augen: Die Optimierung der Notfallversorgung für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand. 

 

 

Mit bis zu 100.000 Fällen pro Jahr steht der plötzliche Herztod an Platz drei der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Leider greifen immer noch zu wenige Personen bei einem Notfall helfend ein: Sie wissen nicht, was zu tun ist oder wenden Gelerntes nicht an – meist aus Scheu, etwas falsch zu machen. Lebenswichtige Minuten verrinnen: Denn schon nach fünf Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahmen– und damit ohne Sauerstoffversorgung – kann es zu bleibenden Schäden im Gehirn kommen. Die Chance zu überleben steigt durch eine sofortige Herzdruckmassage um das Zwei- bis Dreifache. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf“, so Prof. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten.
 
„Nur gemeinsam können wir etwas ändern“
Der Erfolg der Behandlung hängt vom Funktionieren der gesamten Rettungskette ab. Diese umfasst neben dem medizinischen Fachpersonal auch Laien, die in einem Notfall oftmals zuerst und alleine am Notfallort sind, die kontaktierte Rettungsleitstelle sowie alle medizinischen Fachkräfte, die mit dem Patienten in Berührung kommen. „Deshalb ist es wichtig, mit allen am Rettungsprozess Beteiligten zu sprechen und zusammen zu arbeiten. Denn nur gemeinsam können wir etwas ändern!“, sagt Van Aken, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. „Schließlich zählt beim plötzlichen Herztod jede Sekunde und das Funktionieren der Rettungskette entscheidet über Leben und Tod.“


Während der Bad Boller Reanimationsgespräche 2015 arbeiteten die Experten an der Umsetzung der folgenden Thesen:
 
1. Die Leitstelle beeinflusst den Ausgang der Wiederbelebung entscheidend
Der im Mai letzten Jahres gegründete Fachverband Leitstellen e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Quote der Leitstellen, die standardmäßig die Telefonreanimation einsetzen, um 30% (2017)  zu erhöhen. Dafür wurden Algorithmen entwickelt, die es nun zu harmonisieren und umzusetzen gilt. Auch der Gesetzgeber ist gefordert, die Telefonreanimation flächendeckend in den Leitstellen einzuführen. Hier braucht es nun die gemeinsame Aktivität aller an der präklinischen Notfallmedizin beteiligten Organisationen. Im Deutschen Reanimationsregister ist seit 2014 ein Zusatzmodul zum Qualitätsmanagement der Telefonreanimation integriert und liefert verlässliche Zahlen und Fakten.
 
2. Jeder kann ein Leben retten
Es ist wichtig, das „reanimationsfreie“ Intervall für die Patienten entscheidend zu verkürzen: Dafür sind drei Arbeitsfelder besonders wichtig: Laien-Ausbildung (u.a. Einführung Smartphone basierter Systeme, Schüler retten Leben), die Leitstelle (Steigerung der Telefonreanimation) und der Rettungsdienst (GPS basierte Flottensteuerung).
 
3. Der Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein eigenständiges Krankheitsbild
Aktuell ist es vom Zufall abhängig, in welches Krankenhaus ein Patient nach einem Herzstillstand geliefert wird. Ziel ist es, spezielle Cardiac-Arrest-Center zu gründen und Kriterien zu definieren, die ein solches Zentrum erfüllen muss.
 
4. Regelmäßiges Training für die Profis verbessert die Qualität der Reanimation
Für die Reanimationsausbildung von Profis wurden gute Ausbildungskonzepte entwickelt, die zukünftig auch als Standards in den Ausbildungen zum Notfallsanitäter, Notarzt und in den Cardiac Arrest Centern gelebt werden müssen. In Bad Boll wurden Kriterien für diese Zentren erarbeitet und innerhalb der nächsten Monate finalisiert.
 
5. Wiederbelebung ist kinderleicht
Um das Thema Wiederbelebung bundesweit in die Schulen näher zu bringen, werden Lehrkräfte und Konzepte benötigt, die helfen und unterstützen, das Wissen an die Schüler weitergeben. 

Die komplette Pressemitteilung der 2. Bad Boller Reanimationsgespräche können Sie hier herunterladen.